Zur Lage des Staates Israel heute.
Der Journalist Daniel Dagan zu Gast im HLG.
(22.1.2010)

Ein Unterricht der besonderen Art stand für die Oberstufenschüler/innen am Helene-Lange-Gymnasium am Programm: Auf Initiative von StR Grießinger konnte durch die Unterstützung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. (DIG) der Journalist und israelische Deutschland-Korrespondent der führenden öffentlich-rechtlichen Radio & TV Anstalt Israels, Israel Broadcasting Authority, Daniel Dagan, an die Schule geholt werden, um Grundinformationen zur Geschichte und zur heutigen politischen und sozialen Situation in Israel zu geben und Fragen der Zuhörer/innen zu beantworten.

Um die Schülergruppe „im Orient ankommen“ zu lassen, wie er es formulierte, erzählte er von seinen Begegnungen bei einem Besuch beim ägyptischen Präsidenten Mubarak im dortigen Präsidentenpalast. In diesem hatte Dagan bereits als kleines Kind gespielt, wenn es von seinen Geschwistern in das damalige Heliopolis Palace Hotel, dem heutigen Präsidentenpalast, mitgenommen wurde. Der Israeli Daniel Dagan wurde ja in Ägypten geboren und verlebte seine frühe Kindheit in Kairo. Wie etwa die knappe Hälfte aller Einwohner Israels musste seine Familie aus dem muslimischen Land fliehen und kam nach einem Aufenthalt in einem französischen und später noch dem israelischen Flüchtlingslager Maabara in einen Kibbuz. Fasziniert von den Prinzipien der Solidarität und dem gemeinschaftlichen Zusammenleben besuchte er eine Schule, die ganz ohne Noten und Zeugnisse auskam. Denn, wie Dagan sagte, das, was man an Lernfähigkeit und Wissen in den Kopf steckt, geht nie wieder verloren. Eindrücklich schilderte er, dass dies ohne Notendruck möglich ist. Dass er dennoch Prüfungen nachholen musste, weil er Politik und Volkswirtschaft studieren wollte, überging er allerdings auch nicht. Herauszuspüren war seine Überzeugung, dass man lernt, weil man eben neugierig ist, weil es spannend ist, weil es Spaß macht – ein Appell auch an unsere Schulwirklichkeit. Dass die Kibbuzim, die von ihren landwirtschaftlichen Schwerpunkten wegkommen und heute eher High-Tech-Unternehmen beherbergen, heuer ihr hundertjähriges Jubiläum feiern können, war da nur eine Randbemerkung.

Natürlich standen im Fokus der Fragen an Dagan die Konflikte Israels mit seinen Nachbarn, v.a. mit den Palästinensern, die er im Rückgriff auf die Geschichte erläuterte. Israel, ein Land von der Größe Hessens, erlebte die erste große Einwanderungswelle bereits 1850, ausgelöst durch eine eher religiöse und emotionale Sehnsucht, die dann von dem Wiener Theodor Herzl aufgegriffen wurde, um die Rückkehr der Juden ins Land Israel zu realisieren, und zwar unter dem Schutz des deutschen Kaisers (!), so jedenfalls Herzl. Ein arabisches Reich gab es dort ja damals noch nicht, 1917/18 wurde es gar eine Kolonie Großbritanniens. Als 1947, um die Streitigkeiten zu beenden, mit der UN-Resolution 181 eine Teilung des Landes in einen arabischen (niemand sprach damals von einem palästinensischen) und einen jüdischen Teil erreicht werden sollte, stimmte die jüdische Seite trotz der Gefahr eines Bürgerkrieges zu, die arabische Seite nicht. Im Unabhängigkeitskrieg mit vielen Toten und vielen Flüchtlingen auf beiden Seiten wurde 1948 der jüdische Staat Israel proklamiert. Aber noch immer sind die Fronten verhärtet, die palästinensische Seite ist noch nicht einmal zu Verhandlungen bereit, im Gegensatz zu Israel, so der Referent. Dass dies seine Sicht ist und es da auch andere Auffassungen gibt, fügte er fairerweise hinzu, wobei er für sich allerdings den Anspruch auf überprüfbare Tatbestände reklamierte und entsprechende Quellen angab.

Dagan wich keiner Frage aus, auch nicht der nach Atomwaffen in Israel, Syrien und dem Iran. Seiner Meinung habe Israel sicher das Know-how und auch entsprechende Anlagen, aber es wird sicher nicht der Erste sein, der Atomwaffen einsetzt. Syrien sei hier noch lange nicht so weit. Ob es solche Waffen kaufen könnte, war seiner Auffassung nach eher unwahrscheinlich.

Die Frage nach dem Zusammenleben von arabischer und nicht-arabischer Bevölkerung (immerhin beträgt ihr arabischer Anteil in Israel etwa 20%) beantwortete Dagan anhand mehrerer Beispiele. So darf man in Israel Minarette bauen, was in der Schweiz nicht möglich ist. Auch ein Verbot, Burkas zu tragen, ist in Israel kein Thema. Und die zweite offizielle Sprache nach Hebräisch ist Arabisch. Das Zusammenleben ist im Großen und Ganzen gut. Humorig fügte er hinzu, die Konkurrenz gäbe es vielleicht beim Essen, etwa wer den größten Topf an Humus, einem Kichererbsenbrei, herstellt und damit in das Guinness Buch der Rekorde kommt. Aber auch da urteilt Daniel Dagan: Die beste Küche ist die libanesische, da sie das Arabische mit einem französischem Touch bietet.

Unter großem Beifall wurde er von der Schülergruppe verabschiedet, die sich noch am Informationsstand der DIG bedienen konnte.

Zu den Bildern:

Bild 1und 2: Daniel Dagan

Bild 3 (von links nach rechts): R. Beilharz, 2. Vorsitzender der DIG, AG Nbg./Mfr., StR Röckelein, Daniel Dagan, StR Grießinger, Heribert Schmitz, 1. Vorsitzender DIG AG Nbg.-Mfr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___________________________________________________________________________________________________

 

 

Die Jakobsgeschichten: Spiegel menschlichen Lebens.
Der Versuch einer Annäherung in heutiger Zeit.
( 2.3.2009)

Unter dieser Thematik versuchte Uri Oppenheimer, der zwischen seinen Wohnungen in Tel Aviv und Tuchenbach hin und her pendelt, einer 11. Klasse des Fürther Helene-Lange-Gymnasiums im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit Einblicke in die jüdische Auslegung biblischer Texte zu geben. Im Mittelpunkt seiner Darlegung der Jakobserzählungen standen dabei die Beziehungen der Geschlechter zueinander - eine Thematik, die durchaus Sprengstoff enthält. Und auch junge Menschen erfahren das heute - gelegentlich sogar leidvoll. Natürlich hatten sich die Schülerinnen und Schüler durch eine vorausgegangene Lektüre um die Kapitel 27-36 des Buches Genesis herum mit den groben Themen und Inhalten vertraut gemacht. Dennoch waren sie überrascht über die dabei zutage tretenden und erläuterten Themen der Moral, die in etlichen Berichten zu Betrug, Rache und Mord in Erscheinung traten. Besondere talmudische Auslegungen (Oppenheimer: „Unsere Väter sagten“) machten deutlich, dass die Bibel nichts unter den Tisch kehrt, nichts verharmlost, aber dennoch aufweisen möchte, dass Gott trotz allem aus der Geschichte Jakobs und seiner Nachfahren eine Heilsgeschichte gemacht hat. Der schmale Pfad Gottes zwischen gerechter Strafe und Barmherzigkeit musste gegangen, manches ertragen und ausgehalten werden. Dass dabei auch Etliches, das sonst nicht im Religionsunterricht auftaucht, wieder neu aufgezeigt werden konnte, war sicher ein Plus und führte die jungen Leute wieder näher an die Bibel heran. Die Geschichten um Heirat und Wiederverheiratung, selbst noch in hohem Alter, die Bedeutung der Ehre der Frau, nicht nur, wenn es um Vergewaltigung wie bei Dina, der Tochter Jakobs, ging, beeindruckten die Schülerinnen und Schüler. Wobei die meisten zwar die zwölf Söhne Jakobs kennen, aber über Dina noch nie etwas zuvor gehört hatten, auch nicht im Religionsunterricht. Und nicht alle Auslegungen Oppenheimers blieben unwidersprochen. Oft blieb es doch verwunderlich, wie viele Abgründe sich in solchen Erzählungen, die auch Wort Gottes sind, auftaten. Und wohl nur Gott konnte daraus einen Weg zum Heil und zur Heilung aller Menschen machen. Und besonders darüber dachten all die Menschen nach, welche die mündliche Überlieferung ihrer Auslegung im Talmud für spätere Generationen aufbewahrten: ein Schatz, von dem Oppenheimer einen Teil zeigte.

___________________________________________________________________________________________________

 

Pesach Anderman aus Israel zu Gast im HLG
(28.11.2008)

Pesach Anderman (hinten in der Mitte links), ein Holocaust-Überlebender aus Israel, sprach vor einer 11. Klasse des Helene-Lange-Gymnasiums in Fürth, das sich als "Schule ohne Rassismus" in besonderer Weise seit Jahren für den Dialog der abrahamitischen Religionen einsetzt, über sein Lebensschicksal, das er in Autobiographie "Der Wille zu leben. Das Schicksal des Zeitzeugen Pesach Anderman" literarisch verarbeitet hat. Organisiert wurde die Begegnung von Uri Oppenheimer (rechtes Bild rechts), einem rührigen jüdischen Freund des HLG aus dem Landkreis Fürth, der auch den Schülerinnen und Schülern das Buch zur Verfügung gestellt hatte, um eine entsprechende Vorbereitung zu ermöglichen. Pesach Anderman berichtete den jungen Leuten nicht nur all das Schreckliche, das er erleben und erleiden musste, sondern auch all das Hoffnungsvolle und Schöne, das er in Israel, seiner jetzigen Heimat, erfahren durfte. Die Jugendlichen zeigten sich sehr davon beeindruckt, dass ein Mensch all diese Schrecknisse ertragen und erleiden musste und dabei doch nicht seine Hoffnung, seinen Humor und seine Sehnsucht nach Lebens- und Sinnerfüllung aufgegeben hatte. Manche Schüler zeigten sich auch verwundert darüber, dass sich Pesach Anderman trotz all dieser Erlebnisse und Schicksalsschläge in keinster Weise irgendwie verbittert zeigte, sondern mit großer Zukunftshoffnung sein Leben gestalten und fakultativ umgestalten konnte und auch wollte. Dass dabei dennoch oftmals "das Gesicht lächelt, aber das Herz weint", wie es Pesach Anderman formulierte, wunderte nicht. Viele fanden es auch gut, dass das Buch nicht mit den persönlichen Erinnerungen im Jahr 1945 endete, sondern den Neuanfang dieses persönlichen Lebensschicksals, aber auch des Staates Israels, zum zweiten großen Erzählstrang machte, zumal Schülerinnen und Schüler damit auch Kenntnisse über die Anfänge in Palästina und die ersten Kriege des jungen Staates Israel von einem Zeugen vor Ort erhielten, auch Grundwissensbestände über die damaligen rechtlichen Grundlegungen, z.B., was die Landrechte betraf (Erwerb von Land und die Verteidigung des Landbesitzes). Es erwies sich einmal mehr, wie wichtig solche Begegnungen für die jungen Menschen sind, die selber auch bestätigt haben, dass es für sie einen gewaltigen Unterschied macht, ob man eine Sache bloß aus (Geschichts-)Büchern kennt oder eben aus persönlichen Begegnungen mit Betroffenen. So wird diese Begegnung bei allen Beteiligten nachwirken. Die Schülergruppe dankte sehr für all die Mühen, die Pesach Anderman auf sich genommen hatte, zumal es für ihn heuer das erste Mal war, dass er mit Jugendlichen (übrigens in mehreren Fürther Schulen) über sein Leben gesprochen hat. Auch sein Urteil, dass es für ihn eine angenehme Überraschung war, "junge, interessierte und gut erzogene Jugendliche zu treffen", wie er sich ausdrückte, freute die Beteiligten sehr.

Literaturhinweis:

Der Wille zu leben.
Das Schicksal des Zeitzeugen Pesach Anderman
(Gebundene Ausgabe).
Verlag: Droste (August 2006)
ISBN-10: 3770012283, ISBN-13: 978-3770012282

 

 

 

___________________________________________________________________________________________________________

 

Am Freitag, den 27. Juni 2008 konnten wir als Referenten an unserer Schule
Herrn Ulrich Oechsle, Theologe, Logotherapeut und Existenzanalytiker
aus Nürnberg, in der 12. Jahrgangsstufe begrüßen

Zum ersten Mal am Helene-Lange-Gymnasium wurde der psychologische Ansatz von Viktor E. Frankl – ein Lehrplanthema der Kollegstufe in Ethik, Evangelischer und Katholischer Religionslehre - nicht von den Lehrkräften oder in Schülerreferaten „rein theoretisch“ vermittelt, sondern Herr Oechsle, der in seinem Nürnberger Berufsfeld ("Praxis für Logotherapie und Existenzanalyse") nach diesem Ansatz arbeitet, hat den religiösen Bezug an Frankls werteorientiertem Therapieansatz überzeugend dargestellt: „Im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person erfüllt der Mensch sich selbst. Je mehr er aufgeht in seiner Aufgabe, je mehr er hingegeben ist an seinen Partner, um so mehr ist er Mensch, um so mehr wird er selbst. Sich selbst verwirklichen kann er also eigentlich nur in dem Maße, in dem er sich selbst vergißt, in dem er sich selbst übersieht.“ (aus: Frankl: Das Leiden am sinnlosen Leben.)

Die Kollegiaten konnten erspüren, welch große Bedeutung Grenzerfahrungen und die Frage nach dem Sinn in ihrem eigenen Leben haben.

 

 

 

 

 

___________________________________________________________________________________________________________

 

Am Freitag, den 22. Februar 2008 konnten wir als Gast an unserer Schule
H.H. Erzbischof Pedro Barreto Jimeno SJ
aus der Erzdiözese Huancayo in Peru , begrüßen

Erzbischof Pedro Barreto Jimeno SJ leitet seit 2004 die Erzdiözese Huancayo in Peru und ist Präsident der Bischöflichen Kommission für Sozialfragen, die sich vor allem für die Einhaltung der Menschenrechte in Peru einsetzt. Sein Erzbistum leidet unter großer Umweltverschmutzung durch den Bergbau und die Metallindustrie. Berüchtigt ist die Schmelzhütte von La Oroya, deren bleibelasteter Schadstoffausstoß die ganze Region vergiftet. Vor allem die Kinder werden dadurch in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit stark beeinträchtigt. Erzbischof Barreto hatte am Samstag, 16.2.08 vor seinem Besuch bei uns von 9.30 - 16.00 Uhr einen Studientag zum Thema „Umweltschutz als Menschenschutz - eine Anfrage an die Kirche. Zum menschenverachtenden Minenbergbau am Beispiel Peru“ mitgestaltet (CPH Nürnberg).
Wir waren schon sehr gespannt auf seinen Bericht über die Lage in seiner Heimat. Da er spanisch spricht, war dies ein willkommener Anlass für unsere Schülerinnen und Schüler, ihre erworbenen Spanischkenntnisse auch anzuwenden.

Strukturdaten von Peru:

Hauptstadt : Lima, ca. 8,7 Mio. Einwohner (mit Hafenstadt Callao)

Staatsform : Republik
Einwohner: ca. 28,92 Mio.
Bevölkerung: 54,2 % Indianer (47,1 % Quechua, 5,4 % Aymará, 1,7 % Pano und Tupi), 32 % Mestizen, 12 % Weiße; Schwarze und Asiaten (Schätz. 2003)
Sprachen : Spanisch (Castellano), Quechua (ca. 40 %), Aymará (ca. 3-5 %) und andere indianische Sprachen
Religion: ca. 92 % Katholiken, 6,8 % Protestanten; etwa 2.800 Juden; Indianer meist Anhänger von Naturreligionen
Währung: 1 Neuer Sol (S) = 100 Céntimos (1 EUR = 4,386 PEN: September 2007)
GINI-Koeffizient: Bezugsjahr: 2002: 54,6 (D: 28,3)
Analphabetisierungsrate: 12,0 % (2002), der funktionale Analphabetismus ist jedoch weitaus höher
Lebenserwartung: 70,5 (Männer 68,5/Frauen 73,3) J.
HIV-Infektionsrate: 0,6 % (2005)